Akupunktur und Traditionelle chinesische Veterinärmedizin (TCVM) bei EMS
Akupunktur kann die Insulinsensitivität verbessern und hat einen regulierenden Effekt auf den Hormon- Zucker- und Fettstoffwechsel.

Auch bestimmte pflanzliche Wirkstoffe können den Insulinspiegel beeinflussen, den Blutzuckerspiegel senken, Entzündungen hemmen und so helfen den Stoffwechsel wieder zu normalisieren.

Was ist EMS?
Zwischen 19 und 40 % unserer domestizierten Pferdepopulation leidet an starkem Übergewicht (Fettleibigkeit). EMS ist eine Stoffwechselerkrankung. Pferde, die am metabolischen Syndrom leiden haben starkes Übergewicht, leiden an einer Insulinresistenz, d.h. eine herabgesetzte Empfindlichkeit der Rezeptoren für das den Blutzuckerspiegel senkende Hormon Insulin mit der Folge eines zu hohen Blutzuckerspiegels. Und diese Pferde haben bereits Hufrehe oder haben ein erhöhtes Risiko an Hufrehe zu erkranken.

Starkes Übergewicht gilt als Hauptrisikofaktor für die Entstehung von EMS. Doch nur wenn zu diesem Übergewicht eine Insulinresistenz hinzukommt, erkrankt ein Pferd an EMS, was sich klinisch in einer Hufrehe zeigen kann.

Was steckt hinter dieser Erkrankung, die das leidvolle Symptom der Hufrehe mit sich bringt?

Fettgewebe ist nicht einfach nur irgendein Gewebe im Körper. Fettgewebe kann als ein eigenes Organ betrachtet werden, das Hormone, Botenstoffe produziert und freisetzt. Diese Botenstoffe wie z.B. Adiponectin und Entzündungsmediatoren wie Interleukin-1 haben negative Wirkung auf das Fettgewebe selbst aber auch auf den gesamten Körper. Die Folge ist ein eine Insulinresistenz im gesamten Körper. Dabei scheint besonders das Kammfett, Halsfett und das Fettgewebe am Rumpf eine Rolle zu spielen.

Adipositas (Fettleibigkeit) beim Pferd entsteht durch eine Kombination aus Bewegungsmangel und falscher Ernährung. Falsche Ernährung bedeutet zu wenig Raufaser und zu viel Stärke und Fett.

Auch die Genetik spielt eine Rolle bei der Entstehung von EMS. Die Insulin-Empfindlichkeit der Körperzellen scheint bei Pferden rasseabhängig unterschiedlich zu sein. So scheinen Ponies und Andalusier eine reduzierte Insulinempfindlichkeit zu haben, was ein höheres Risiko für die Entwicklung einer Insulinresistenz mit sich bringt.

Im Gegensatz zum fortgeschrittenen Typ-2-Diabetes beim Menschen leiden Pferde mit EMS unter einer kompensierten Insulinresistenz. Das heißt, das Pankreas produziert ständig mehr und mehr Insulin als Antwort auf den hohen Blutzuckerspiegel und die verringerte Wirksamkeit des Insulins.

Die aus EMS entstehende Hufrehe kann als Folge einer Funktionsstörung der Gefäße betrachtet werden. Es wird vermutet, dass ein hoher Insulinspiegel im Blut zu einer gestörten Durchblutung im Hufbereich führt. Möglicher Weise hat Insulin auch einen direkten Effekt auf das Lammelengewebe im Huf.

Anders als bei einer fütterungsbedingten Hufrehe, bei der die Symptome oft plötzlich und heftig verlaufen, kann die stoffwechselbedingte Hufrehe in Folge EMS und auch Cushing, häufig über einen langen Zeitraum, sogar über Jahre subklinisch verlaufen. Das heißt, es treten keine auffälligen Schmerzen auf. Dennoch finden Veränderungen im Huf statt, die sich beispielsweise in der Bildung von divergierenden Ringen zeigen können.

Es besteht also das Problem, dass solche subklinischen Reheschübe gänzlich unerkannt bleiben können.

Ist ein Pferd einmal an Hufrehe erkrankt, besteht die Gefahr weiterer Schübe.

Daher ist ein frühzeitiges Erkennen der Erkrankung und die Behandlung von Risikopferden sehr wichtig!

Doch wie kann EMS festgestellt werden?
Die sicherste diagnostische Methode ist der kombinierte Glucose-Insulin-Test. Dazu muss ein Venenkatheter gelegt werden. Dann wird eine Glukose-Lösung in die Vene infundiert, daraufhin Insulin gespritzt und anschließend in bestimmten Abständen über einen Zeitraum von 150 Minuten Blut abgenommen und der Blutglukosespiegel und Insulinspiegel des Pferdes bestimmt. Das ist recht aufwendig und wird deshalb meist nur in Kliniken gemacht.

Alternativ kann dem Pferd eine Zuckerlösung ins Maul eingegeben werden und nach 60-90 Minuten der Insulinspiegel bestimmt werden. Allerdings ist noch unklar, ob dieser Test genauso zuverlässig ist wie der kombinierte Test.

Einen ersten Hinweis auf die Erkrankung kann die Bestimmung des Glukose- und Insulinspiegels beim nüchternen Pferd sein. Die Blutprobe wird dazu früh am Morgen vor dem Füttern genommen (nach einer Fastenzeit von 6 Stunden)

Mein Pferd hat EMS- was kann ich tun?
Bislang gibt es keine schulmedizinischen Medikamente gegen EMS. Die klassische Basistherapie besteht aus Diät und Bewegungsprogramm. Ergänzend kann die Therapie mit Akupunktur und TCVM- Kräutern helfen.

Akupunktur und TCVM-Kräuter?
Akupunktur kann die Insulinsensitivität verbessern. Akupunktur hat einen regulierenden Effekt auf den Hormon- Zucker- und Fettstoffwechsel.

Auch bestimmte pflanzliche Wirkstoffe können den Insulinspiegel beeinflussen, den Blutzuckerspiegel senken, Entzündungen hemmen und so helfen den Stoffwechsel wieder zu normalisieren.

Was heißt Diät?
Verzicht auf jegliches Kraftfutter (Müsli, Hafer, Mais,…) und sehr zuckerhaltige Futtermittel wie Äpfel. Auch Weidegras sollte nur noch stark eingeschränkt zugänglich sein oder auf Weidegang ganz verzichtet werden. Öl sollte nur in geringen Mengen gefüttert werden. Stattdessen sollte eine heubasierte Ration gefüttert werden. Von der Menge her kann man sich an 1,5 Kg Heu/100 kg Körpermasse orientieren. Das Problem beim Heu ist, dass man den Nährstoffgehalt in seltensten Fällen kennt. Dieser kann stark variieren, je nach Heuqualität. Alternativ kann man das Heu für 30 Minuten in Wasser einweichen, wodurch der Gehalt an wasserlöslichen Zuckern um ca. 30 %reduziert werden kann. Allerdings werden damit auch wasserlösliche Mineralstoffe und Vitamine aus dem Heu ausgeschwemmt. Um durch die Diät keinen Mineralstoffmangel zu provozieren, sollte ein geeignetes Vitamin-und Mineralfutter zum Heu zugefüttert werden.

Bewegung steigert die Insulinempfindlichkeit. Ein angepasstes Trainingsprogramm mit einer langsamen Steigerung der Bewegung bis hin zu 15-30 Minuten Trab pro Tag steigert den Energieverbrauch und verbessert die Insulinsensitivität.

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